Teilzeitarbeit und Arbeitszeitmodelle

Teilzeitarbeit und Arbeitszeitmodelle

Um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können, arbeiten heute viele Eltern Teilzeit. Gerade für Frauen ist der Zugang zur Arbeitswelt häufig geprägt von Teilzeitmodellen. 2005 arbeiteten rund 58% aller beschäftigten Baselbieter Frauen in Teilzeitpensen, während es bei den Männern nur rund 11% waren.  Der Anteil an teilzeitarbeitenden Männern nimmt leicht zu, gerade auch der der von Familienvätern: 1997 arbeiteten in der Schweiz von den Vätern mit dem jüngsten Kind unter 7 Jahren 95% Vollzeit; 2007 waren es noch 91% (Bundesamt für Statistik, Schweizerische Arbeitskräfteerhebung). Leider stossen Männer mit ihrem Wunsch, nach der Geburt eines Kindes ihr Arbeitspensum zu reduzieren, häufiger auf Widerstand als Frauen.

Die Arbeitswelt reagiert jedoch zunehmend auf den erhöhten Bedarf an Teilzeitstellen. Es gibt eine Vielzahl an Teilzeitmodellen. Neben «klassischen» Teilzeitstellen gibt es zum Beispiel auch das Modell des Job-Sharings, in dem sich zwei oder mehr Personen eine Stelle teilen: Während sich dabei im Job-Pairing beide Personen die Verantwortung für die Stelle teilen, werden im Job-Splitting die Aufgaben und Pflichten der Arbeitsstelle auf die beiden Personen aufgeteilt.

Das traditionell bürgerliche Familienmodell (Frau nicht erwerbstätig, Mann Vollzeit erwerbstätig) findet sich heute immer seltener. In der Tat sollten sich Frauen, die ein Kind erwarten, auch gut überlegen, ob sie ganz aus dem Beruf aussteigen wollen. Der Wiedereinstieg ist meist mit vielen Schwierigkeiten verbunden.

Wenn Sie nach der Geburt Ihres Kindes – egal ob als Vater oder als Mutter – gerne in einem Teilzeitpensum weiterarbeiten möchten, gilt es einiges zu beachten:

  • Überlegen Sie sich, welchen Teilzeitgrad Sie zu leisten bereit sind. Beachten Sie dabei, dass vollzeitnahe Pensen leichter zu realisieren sind und auch für Kaderstellen geeignet sind. Als Alternative bietet sich ein Job-Sharing an. Gibt es in Ihrer Abteilung vielleicht eine Person in einer ähnlichen Situation, mit der Sie sich eine Stelle teilen könnten?
  • Sprechen Sie möglichst früh mit der Arbeitgeberin oder dem Arbeitgeber über Ihren Wunsch. Sagen Sie dabei konkret, wie eine mögliche Lösung aussehen könnte. Machen Sie sich und Ihren Vorgesetzten bewusst, dass Teilzeitarbeit auch für ein Unternehmen viele Vorteile bietet: Die Arbeitsqualität und -effektivität nehmen in der Regel zu, die Mitarbeitenden sind häufig zufriedener und loyaler, und qualifizierte Arbeitskräfte bleiben dem Betrieb erhalten.
  • Regeln Sie möglichst früh auch schon die Form Ihres Teilzeitpensums mit Ihren Vorgesetzten: Arbeiten Sie jede Woche zu fixen Zeiten oder wird eine flexible Lösung gewählt? Beide Formen haben spezifische Vor- und Nachteile, zwischen denen es abzuwägen gilt.
  • Bedenken Sie unbedingt auch, dass Teilzeitarbeit Änderungen hinsichtlich Versicherungen und Sozialversicherungsleistungen mit sich bringt. Informieren Sie sich.

Unabhängig davon, ob Sie Teilzeit oder Vollzeit arbeiten, gibt es verschiedene Arbeitszeitmodelle, die mehr oder weniger familienfreundlich sein können. Schichtarbeit mit wechselnden Schichten zum Beispiel bringt Schwierigkeiten mit sich. Flexible Arbeitszeitmodelle (Gleitzeitmodelle, Jahresarbeitszeit u.a.) sind ideal, um bei unvorhergesehenen Ereignissen in der Familie den nötigen Freiraum zu haben. Problematisch wird die Flexibilität allerdings dann, wenn sie einseitig von Arbeitgebendenseite eingefordert wird. Eine gewisse Regelmässigkeit ist unerlässlich für Familien. So müssen zum Beispiel die Kinder pünktlich von der Krippe abgeholt werden. Informieren Sie sich vor einem Bewerbungsgespräch oder einem Gespräch mit Ihren Vorgesetzten zu einer Pensenreduktion über die verschiedenen Arbeitszeitmodelle, ihre Vor- und Nachteile und darüber, welche Modelle Ihr Betrieb vorsieht.

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Literaturtipps

„ Der Teilzeitmann- Flexibel zwischen Beruf und Familie“

von Jürg Wiler und Claudio Zemp, Zytglogge Verlag, 2015.